Erläuterungen zur Orgelsanierung (Prof. V. Lutz)

Im Zuge der Gewölbesanierung des gotischen Chors musste die Orgel teilweise abgebaut werden. Damit verbunden wurde die – schon länger fällige –  Ausreinigung und technische wie klangliche Überholung der Orgel.


Erfreulicherweise konnten aber auch einige wichtige Verbesserungen gemacht werden. Die am deutlichsten sichtbare ist der Umbau des Holzprospekts: Die Pfeifen erhielten längere Füße und wurden dafür oben entsprechend gekürzt,
ihre Abstände wurden etwas vergrößert und dafür einige Pfeifen nach hinten versetzt. Diese Maßnahme wirkt sich optisch gut aus und verbessert die Klangabstrahlung des hinter dem Prospekt stehenden Pfeifenwerks deutlich – und die zu optimieren war wegen der Aufstellung der Orgel ganz hinten im Chor sehr wichtig. Diesem Ziel dient auch die Erhöhung der Winddrücke, die dem Klang mehr Präsenz gegeben hat. Und in diesem Zusammenhang steht auch die Mensurerweiterung der Prinzipal-Register durch den Einbau jeweils einiger neuer und dem Rücken der vorhandenen Pfeifen.


Es gab aber auch sonst klangliche Veränderungen und Verbesserungen: Die Mixturen des Hauptwerks und des Positivs, bei denen gleichzeitig mehrere Pfeifen pro Taste klingen, wurden in der Zusammensetzung verändert, um weniger Schärfe und mehr Kraft des Klangs zu erreichen. Im Hauptwerk wurde zusätzlich eine Reihe als sogenannter Vorabzug 2’ einzeln registrierbar eingerichtet. Die Waldflöte 2’ wanderte vom Hauptwerk ins Positivwerk, dafür wurde eine Quinte 2 2/3’ eingebaut. Beide Veränderungen erlauben neue Farben und eine bessere Abstufung der Registrierungen für die Gemeindebegleitung. Das zweifach besetzte Register Sesquialter im Positiv wurde so umgebaut, dass die beiden Pfeifenreihen auch jeweils einzeln eingeschaltet werden können – das ermöglicht mehr Klangfarben speziell für Solostimmen.


Und damit die Organistinnen und Organisten noch lieber in die Tasten greifen, erhielten die neue Tastenbeläge aus Knochen – Elfenbein darf ja wegen des Artenschutzes nicht mehr verwendet werden.


Die Orgel ist also jetzt wieder völlig „fit“ und in ihren Klangmöglichkeiten optimiert. Ich bin sicher, dass Hörende wie Spielende neue Freude an ihrem schönen Instrument haben werden und bei seiner wichtigsten Aufgabe mit einstimmen können: SOLI DEO GLORIA!


Prof. Volker Lutz
Kirchenmusikdirektor, Orgelsachverständiger
der Evang. Landeskirche Württemberg

 

(entnommen aus dem Gemeindebrief "Advent und Weihnachten 2009".)

 

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