Beschreibungen von Kirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus.

In den folgenden Texten beschreibt unser Gemeindemitglied Martin Huber die wichtigsten Gebäude unserer Kirchengemeinde. Herr Huber hat zum 500-jährigen Jubiläum unserer Kirche das Buch verfaßt:

 

"500 Jahre Evangelische St.Blasius-Kirche Altdorf  1498 - 1998".  

 

In  diesem Buch sind alle vorhandenen geschichtlichen Daten und Geschehnisse zur Altdorfer Kirche und ihrem Umfeld enthalten (Pfarrhaus, Schaichhof, Adelsgut und Wallfahrtskirche Mauren, Gemeindehaus usw.).

 

 

St.Blasius-Kirche

St. Blasius Kirche in der Ortsmitte

Das genaue Alter und damit die Entstehungsgeschichte unserer Kirche ist nicht bekannt. Das einzige feststehende Datum beinhaltet die Bebenhauser Klosterurkunde vom 16. Oktober 1498 über den Bau des schönen spätgotischen Chores mit seinem Netzgewölbe und der Sakristei durch Meister Hans, Steinmetz zu Bebenhausen. Dieses Datum war auch der Anlass zur "500-Jahrfeier St. Blasius-Kirche Altdorf" im Jahre 1998.

 

Aufgrund neuerer Geschichtsschreibung (siehe Jubiläumsbuch 800 Jahre Altdorf von 2004, Prof. Sören Lorenz, Tübingen) darf angenomen werden, dass die Besiedlung des Schönbuchraumes in das 7. Jahrhundert fällt und somit durchaus die Anfänge eines Gotteshauses (Kapelle, heilige Stätte) in diese Zeit zurückgehen dürften. In der Papstschutzbulle vom 18. Mai 1204 ist dem Kloster Bebenhausen, das über Jahrhunderte unsere örtliche Geschichte mitbestimmte bzw. prägte, der Besitz seiner Güter in Altdorf (AL"C"DORF) und weiterer Orte bestätigt worden. Man darf annehmen, dass auch bereits damals ein gottesdienstliches Gebäude vorhanden war. Dass der Kirchturm (vielleicht mit kleinem Kapellenanbau) baugeschichtlich älter ist als das Kirchenschiffgebäude, ist stark zu vermuten. Der Begräbnisplatz/Friedhof war bis Anfang 1700 unmittelbar bei der Kirche.  Auf der Ostseite der Kiche ist ein ansehnliches Mauerwerk vorhanden. Dies bestätigt die Richtigkeit der Annahme, dass unsere Kirche als Wehrkirchanlage den Bürgern Schutz bieten konnte. Das Kirchenschiff wurde um 1790 nach Westen ziemlich erweitert, "was sich schon äußerlich erkennen läßt am Aufhören jeglichen Stils und jeglicher Zierde", so die Oberamtsbeschreibung von 1850. Diese schätzt die Erweiterung als "Muster von Geschmacklosigkeit"  ein. Immerhin bietet sie eine räumliche Möglichkeit, die bis heute den Bedarf befriedigt. Es werden ca. 500 Sitzplätze genannt. 1926 wurde eine Generalüberholung am Kirchengebäude durchgeführt.

 

Kaum 20 Jahre später traf unseren Ort und auch die Kirche ein ganz schwerer Schlag. Am 19. Juli 1944 wurde, neben einigen anderen Gebäuden, unsere St.Blasius-Kirche durch zwei Feindflieger in Brand gesteckt und sie brannte völlig aus. Durch kluges Handeln von einigen Einwohnern konnte der Kirchturm vor dem Feuer bewahrt bleiben. Es war ja ein Wunder, dass unsere Kirche den schweren Fliegerangriff vom 7./8. Oktober 1943 überstand, bei dem rund 45% des Dorfes zerstört wurde.

 

Schon bald danach werden Überlegungen für einen Wiederaufbau laut. Bereits im Januar 1946 begannen vorläufige Bauarbeiten. Mit hingebungsvoller Arbeitsleistung, Geldspenden, Finanzierungsmitteln und Materialspenden, wurde es möglich, am 30. April 1950, dem Sonntag Jubilate, die wieder aufgebaute St.Blasius-Kirche einzuweihen. Auch eine neue Orgel fand wieder Platz und das Kirchengeläute, fünf Glocken an der Zahl, wurde erweitert. 

 

Ältere Luftaufnahme der Kirche.

Die Glocken unserer Kirche und die Läuteordnung.

Altar und Kanzel.

Großes Glasfenster im Chorraum

Netzgewölbedecke im Chor der Kirche

Erläuterungen zur Orgelsanierung (Prof. V. Lutz)

Pfarrhaus

Pfarrhaus in der Pfarrgartenstr. 3

Auch beim Pfarrhaus ist kein gesichertes Datum über seine Entstehung vorhanden. Im genannten Jubiläumsbuch von 1998 ist Folgendes zu lesen: "Das Altdorfer Gemeindehaupt (zwischen 750 und 850 n.C. - M.Huber-)errichtete die natürlich bescheiden gebaute neue Bricciusparrkirche für sein Dorf nahe bei seinem Gutshof. Diese oft geübte Art des Vorgehens ist gerade in dem hiesigen Ort besonders deutlich zu sehen. So steht direkt neben der Kirche der ehemalige Widdumshof (heute Familie Maier). Das heutige Pfarrhaus, das dicht bei der Kirche liegt, wurde noch lange die "Burg" genannt; dort stand früher der Wohnsitz der niederadeligen Herren von Altdorf.

 

Die Altdorfer St.Blasius-Kirche war zuerst nach dem Bischof von Tours, Briccius, genannt. Später kam es zum Patroniziumswechsel: "Am 5. Januar 1328 verkaufte Graf Heinrich von Tüwingen (Tübingen) dem Kloster Bebenhausen die Burg (späteres Pfarrhaus), worauf nach einer Bemerkung auf der Rückseite der Urkunde später der Pfarrsaß (Sitz) und die Wiese dabei zu Altdorf, welche von Conrad u. Dietrich von Altdorf erkauft hatte, mit allen dazu gehörigen Rechten und einem zu Burg und Wiese gehörigen einen Morgen großen Garten bei der Burg zu freiem Eigen. Geben 1328 an dem obersten Abend (5. Januar)." Unmittelbar neben dem Pfarrhaus stand die ehemalige Mönchsscheuer/Zehntscheuer. Sie wurde leider auch beim Fliegerangriff Opfer der Bomben.

 

Hier einige weitere Ansichten des Pfarrhauses.

Gemeindehaus

Gemeindehaus in der Pfarrgartenstr. 7

Zur Vorgeschichte ist Folgendes zu bemerken: Wenige Wochen vor der Kirchenzerstörung (19.7.1944) wurde, nach jahrelanger Raumnot, für kirchliche Zwecke im hinteren Teil des Kirchenschiffs, durch Einziehung einer Trennwand, ein Unterrichtsraum für etwa 100 Sitzplätze eingebaut. Der Raum machte angeblich einen sehr ansprechenden Eindruck und war auch für Bibelstunden und andere Veranstaltungen vorgesehen. Das waren hier die Anfänge eines "Gemeindehauses".

 

Nachdem die großartige Aufbauleistung der zerstörten Kirche nach dem zweiten Weltkrieg einigermaßen "verdaut" war, konnte man an die Verwirklichung eines dringend benötigten Gemeindehauses gehen. Das ganze geschah unter der Regie von Pfarrer Müller. So war es möglich, am 30. November 1969 (1. Advent) in der Pfarrgartenstraße 7 das neue, geräumige und repräsentative Gemeindehaus einzuweihen und zu beziehen. Viele Gruppen und Kreise, Junge und Alte, konnten in diesem Hause eine bleibende Heimat finden.  Wieder war ein markanter Meilenstein in unserer Kirchengemeinde gesetzt worden. 1993 erfolgte, unter Pfarrer Dr. Martin Pfizenmaier, eine größere Erweiterung und Dachsanierung des Gebäudes.

 

Hier einige weitere Ansichten des Gemeindehauses.